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Neue Fassung der VDE 0833-02 auf der Zielgraden – und „täglich grüßt die Brandfallsteuermatrix“

Seit einigen Monaten befindet sich die Überarbeitung der DIN VDE 0833-02 über die Planung und den Einbau von Brandmeldeanlagen mit Fassung von Juni 2009 nun schon in der „Pipeline“. Nachdem der Entwurf im November 2015 seitens des Normgebers vorgelegt wurde, waren die interessierten Kreise der Fachwelt aufgefordert ihre Anmerkungen mitzuteilen. Nunmehr steht die neue VDE 0833-02 mit neuer Fassung 2017 in kurzer Zeit vor der Veröffentlichung.

 

Neben vielen technischen Konkretisierungen, wie z.B. bzgl. der Begriffe „Meldebereich“ und „Meldergruppe“ wurden auch Anforderungen an den Funktionserhalt der Brandmeldeanlage bei bauordnungsrechtlichen Forderungen ergänzt. Des Weiteren wurden Anforderungen und Empfehlungen zur Internalarmierung in Einrichtungen für Personen mit Pflegebedürftigkeit oder Behinderung aufgenommen.

 

Einige dieser Aspekte haben auch Einfluss auf die Brandfallsteuerungen von sicherheitstechnischen Anlagen – in der Presse auch gerne verallgemeinernd als „Brandschutzanlage“ benannt. Gerade bzgl. dieses „brandheißen“ Themas sind Gebäudebetreiber nochmals auf eine weitere Norm in Bezug auf Brandmeldeanlagen sensibilisiert: die DIN 14675:2012-04 Brandmeldeanlagen – Aufbau und Betrieb. Im Abschnitt über die Inspektion und Wartung (Kapitel 11.2.2.2) der Brandmeldeanlagen ist gefordert: „Der Betreiber ist verantwortlich, dass in Zeitabständen von maximal drei Jahren die funktionale Kette der Brandfallsteuerungen von einem der Brandfallsteuerung zugeordneten alarmgebenden Brandmelder bis zur gesteuerten Einrichtung überprüft und dokumentiert wird.“

 

Insbesondere in Sonderbauten wird zur Gewährleistung von öffentlich-rechtlichen Schutzzielen, zur Kompensation von baurechtlichen Abweichungen oder aus besonderen Sachschutzaspekten häufig eine Vielzahl von sicherheitstechnischen Anlagen und Einrichtungen installiert. Wie sollen aber die Brandfallsteuerungen durch den Betreiber geprüft werden, wenn keine Brandfallsteuermatrix vorliegt? Gerade in Bestandsgebäude fehlen diese Dokumente sehr häufig.

 

Unabhängig davon müssen die ordnungsgemäße Beschaffenheit, Betriebssicherheit und Wirksamkeit der verschiedenen Anlagen jeweils zur Inbetriebnahme, ebenfalls alle drei Jahre wiederkehrend bzw. bei wesentlichen Änderungen durch bauaufsichtlich anerkannte Sachverständige geprüft werden. Tragische Schadensfälle der Vergangenheit zeigten, dass insbesondere auch das Zusammenspiel dieser sicherheitstechnischen Anlagen wichtig ist. Beim Brand am Düsseldorfer Flughafen am 11.04.1996 kamen fünf Menschen zu Tode, weil unter anderem die Brandfallsteuerungen zwischen Brandmeldeanlage und Aufzugsevakuierung nicht harmonierten.

 

Der fundierten brandschutztechnischen Planung der verschiedenen sicherheitstechnischen Anlagen kommt daher bei komplexen und multifunktionalen Sonderbauten eine besondere Bedeutung zu. Der diesbezügliche Planungsaufwand wird durch die für Kosten und Termine Verantwortlichen leider häufig falsch eingeschätzt. Mit der notwendigen Erstellung einer Brandfallmatrix wird dann meistens zu einem viel zu späten Zeitpunkt begonnen, z.T. erst kurz vor der beabsichtigten Inbetriebnahme des Gebäudes.

 

Die frühzeitige integrale Planung einer Brandfallsteuermatrix sollte daher Bauherrn und Architekten von Neubauten ein besonderes Anliegen sein um Verzögerungen bei der Inbetriebnahme sowie nicht planmäßig budgetierten Kosten zu vermeiden. Betreibern von bestehenden Gebäuden sollten zur Minimierung von Haftungsrisiken die jeweiligen Gebäudeeigentümer auf entsprechend fehlende Brandfallsteuermatrizen hinweisen, sodass durch spezialisierte Fachleute entsprechende Planungsunterlagen erstellt werden können. Gerade im Bestand ist dies mit einer umfassenden Bestandsaufnahme der Technischen Gebäudeausrüstung sowie der hochbaulichen Infrastruktur verbunden. Nach systematischer Analyse und planerischen Entwicklung der Brandfallsteuerungen können diese dann durch den Betreiber in-situ im Gebäude geprüft werden.

 

 

Ein Beitrag von

Dipl.-Ing. Karl-Olaf Kaiser

• Brandschutzconsultant und -planer (Frankfurt a.M.)

• Autor u.a. „Brandschutztechnische Bauüberwachung Haustechnik“,

• Länderdossier „Brandschutz in China“

• Referent für Brandschutz u.a. VdI

 

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