Design Security Forum AG

Brandschutz - Sch(n)ittstelle zwischen Architektur und Haustechnik

Brandschutz - Sch(n)ittstelle zwischen Architektur und Haustechnik

Alle Planungspartner – auch für Brandschutz - frühzeitig im Blick behalten, damit es später nicht brenzlig wird.

 

Ein Bericht von Dipl.-Ing. Karl-Olaf Kaiser


 

Der gestalterische Anspruch von Bauherren und Architekten an Immobilien mit möglichst offenen, flexibel nutzbaren und großzügigen Nutzungseinheiten ist auch für die brandschutztechnische Planung eine große Herausforderung. Parallel zu diesen Wünschen der Bauherrn wuchs in den letzten Jahrzehnten die Bedeutung des technischen Brandschutzes kontinuierlich. Dieser Trend wird sich mit der Digitalisierung der Haustechnik in naher Zukunft rasant beschleunigen. Die Schnittstellen zwischen TGA und Architektur werden wachsen und komplexer.

Eine Facette des vorbeugenden Brandschutzes: In vielen Bauteilen des Hochbau sowie Planungsinhalten der TGA und schlussendlich der Ausführung vor Ort steckt „ein bisschen Brandschutz“: In der raumabschließenden Wand kann die Anforderungen an die Statik stecken, den Schallschutz, die Oberflächengestaltung, die Bauphysik – und eben auch eventuell an die Feuerwiderstandsklasse. Durch die raumabschließende Wand führen elektrische Leitungen, Lüftungsleitungen, Rohrleitungsanlagen mit ihren jeweiligen technischen Randbedingungen wie elektromagnetische Abschirmung, Hygiene – und eben ein wenig Brandschutz: den Abschottungen. Dieses „bisschen Brandschutz“ weist zudem jeweils viele Schnittstellen zwischen Hochbau und TGA auf. Und genau hier bedarf es von allen am Bau Beteiligten der gemeinsamen Aufmerksamkeit: Beim Brandschutz und den Schnittstellen entscheiden häufig der „Überblick“ und nicht die „gewerkespezifische Tunnelblickmentalität“.

Doch wo, ab wann und durch wen bedarf es des Einschaltens des „Brandschutzradars“? Nicht erst mit dem Vorliegen eines ausformulierten Brandschutzkonzeptes – irgendwann in der späten Entwurfsplanung – kann ein Planungsteam gemeinsam die gewerkübergreifenden Schnittstellen – und hieraus resultierenden brandschutztechnischen Planungsentscheidungen sukzessive eruieren. Bei Sonderbauten lassen sich schon in der Vorentwurfsplanung aus den Regelvorgaben der jeweiligen Sonderbauvorschriften im Team gemeinsam die „Pros“ und „Contras“ für prinzipielle hochbauliche versus haustechnische Lösungswege frühzeitig abwägen – und somit die brandschutztechnischen Auswirkungen ganzheitlich abschätzen.

Schon die Planung einer „Dachlandschaft“ und die Öffnungen für die Rauchableitung bergen viele festzulegende Schnittstellen – die zum einen die TGA und/oder Architektur betreffen: NRWG, „Treppenraumrauchableitung“, Öffnungen für die Rauchableitung von Aufzugsschächten. Baurechtlich sind diese „RWA’s“ alle unterschiedlich zu planen, weisen ggf. andere Schnittstellen auf – und auch für die Ausschreibung gilt für den einen Typ europäisches Recht (nämlich die NRWG) – die andere, der Rauchableitung für den Treppenraum, (noch) die national geltenden (Bauregel)-Liste C.

Wer plant im Rahmen der LPh 3 – Lph 5 welche Öffnung und schreibt sie aus?

Der Architekt oder ggf. doch ein Lüftungsplaner?

Bei der Planung der Architektur und Haustechnik ergeben sich neben den jeweiligen Landesbauordnungen (und/oder Sonderbauvorschriften) vor allem aus den technischen Baubestimmungen, wie z.B. der Muster-Leitungsanlagenrichtlinie, Muster- Lüftungsanlagenrichtlinie, immer differenziertere – gewerkeübergreifende – Vorgaben an die Beteiligten. Beginnt man die sich hieraus ergebenden brandschutztechnischen Schnittstellen erst prinzipiell in der Ausführungsplanung zu diskutieren, werden die Lösungsmöglichkeiten kleiner, weil sich ggf. erforderliche eigene Technikräume, Schachtbedarf oder Platz in der Zwischendecke nicht einfach „aus der Luft“ zaubern lassen.

Darüber hinaus wird die Zahl der verfügbaren brandschutztechnischen Bauprodukte und -arten wird immer größer genauso wie deren Verwendungsmöglichkeiten. Gleichwohl sind auch die spezifizierten brandschutztechnischen Leistungsgrenzen dieser Bauprodukte-und –arten eminent wichtig; sei es aus bautechnischen (z.B. Versagenskriterien), baurechtlichen (z. B. wesentliche oder nicht wesentliche Abweichung) oder privatrechtlichen Gründen (Haftung, Gewährleistung usw.). Ja, Bauprodukte sind heute sehr leistungsfähig – haben aber auch ihre Grenzen: Wenn sich die Beteiligten der Planung über diese Grenzen – und Schnittstellen nicht frühzeitig abstimmen, fängt es später irgendwo „an zu kneifen“: Beim Platz, den Kosten oder den Terminen. Wenn ein Planungsteam sich in der LPh 3 bei gleitenden Trockenbauwänden nicht frühzeitig bzgl. der prinzipiellen Höhenkote der Haustechnik abstimmt, kommt es später auf der Baustelle zu entsprechenden „heißen“ Diskussionen.

Zusätzlich zu diesen Rahmenbedingungen muss berücksichtigt werden, dass in der Regel sowohl jedes Gebäude ein Unikat als auch der dazugehörige Planungs- und Errichtungsprozess einmalig ist und für jedes Projekt mit anderen am Bau Beteiligten abläuft. Der baurechtlich verankerten koordinierenden Verpflichtung des Entwurfsverfassers im Planungsprozess, der sich in der Regel einer wachsenden Anzahl von haustechnischen Spezialisten bedient, ist somit ein entscheidender Schlüssel für die brandschutztechnisch fachgerechte ganzheitliche Planung.

Hierbei kann er sicherlich nicht Spezialist auf allen Gebieten sein. Insofern kommt dem gewerkeübergreifenden Grundwissen und Qualifizierung der Planungs-beteiligten und vor allem des Entwurfsverfassers aus brandschutztechnischer Sicht eine besondere Bedeutung zu.

Deshalb: Schauen Sie über den Tellerrand ihres spannenden Gewerkes – und haben Sie die Schnittstellen zu Ihren Planungspartnern im Blick – auch wegen des Brandschutzes.

 

 

Mit freundlichem Gruß


Dipl.-Ing. Karl-Olaf Kaiser

 

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Brandschutzconsultant und -planer
(Frankfurt a.M.)
Autor u.a. „Brandschutztechnische Bauüberwachung Haustechnik"
Länderdossier „Brandschutz in China“
Referent für Brandschutz u.a. EIPOS, VdI

 

 

 

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