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Kabel - weitere Produktegruppe ist jetzt harmonisiertes europäisches Bauprodukt

30.06.2017 Europa rückt wieder ein Stück zusammen – Ist Ihr Gewerk betroffen?

Kabel sind jetzt harmonisierte europäische Bauprodukte – Was bedeutet das für die Praxis?

 

Ein Bericht von Dipl.-Ing. Karl-Olaf Kaiser


Mit Ablauf der sogenannten Koexistenzphase am 30.06.2017 wird eine weitere Produktgruppe in den Geltungsbereich einer harmonisierten europäischen Norm (hEn) fallen. Dies bedeutet für die relevanten Planer, Ausschreibenden, ausführenden Unternehmer und die verantwortlichen Objektüberwacher dieser Bauprodukte: Welcome in Europe – und zwar im positiven Sinne. Denn für diese Bauprodukte geht die „Kleinstaaterei“, die unsere Branche in Deutschland bzgl. des länderspezifischen Baurechts seit Jahren ächzend beklagt, zu Ende. Ein „Verwendbarkeitsnachweis“ für ganz Europa.

Zugegebenermaßen so einfach ist es nicht, denn alleine das nationale Bauproduktenrecht ist für sich genommen schon ein sehr anspruchsvolles Thema – und hier auch nur die für Planer und Ausführenden relevanten Aspekte. Zu diesem komplexen Sachverhalt gesellen sich mit Einführung der Bauproduktenrichtlinie seit 1989 – also nunmehr über 25 Jahren – auch die europäischen Einflüsse. Wer als Genehmigungsbehörde, Planer/-in oder Ausführende/-r bzgl. des europäischen Bauproduktenrechts heutzutage noch getreu dem Motto „Was ich nicht weiß – macht mich nicht heiß“ verfährt, ist aber nicht gut beraten. Dies zeigen einige wegweisende Gerichtsurteile der jüngsten Zeit.

Die Einführung der „Verordnung (EU) Nr. 305/2011 des europäischen Parlaments und des Rates vom 9. März 2011 zur Festlegung harmonisierter Bedingungen für die Vermarktung von Bauprodukten und zur Aufhebung der Richtlinie 89/106/EWG des Rates“ (kurz europäische Bauproduktenverordnung) und deren unmittelbare bundesdeutsche Rechtskraft seit dem 01.07.2013 hat die europäischen Facetten des Bauproduktenrechts und deren praktischen Auswirkungen für Planer und Ausführende erneut ins Bewusstsein gebracht.

Für zahlreiche Bauprodukte, die Architekten oder Haustechnikplaner in ihrer täglichen Arbeit planen, ausschreiben und Unternehmer einbauen ist Europa inzwischen verbindlich anzuwendende Realität: Dämmung, Parkettfußbodenbeläge, Brandmeldeanlagen, Rauchschutzvorhänge, Brandschutzklappen usw. – alle diese Produkte sind von harmonisierten europäischen Produktnormen erfasst. Und es werden kontinuierlich mehr: Im Jahre 2016 wurde der Beginn der Koeexistenzphase der harmonisierten europäischen Norm für Feuerschutzabschlüsse im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht. Ab dem 01.11.2019 müssen Feuerschutzabschlüsse dann über eine Leistungserklärung sowie eine CE-Kennzeichnung verfügen um in Europa in Verkehr gebracht werden dürfen. Ob sie im jeweiligen Nationalstaat verwendet werden dürfen, ist durch die Planer, Errichter und Objektüberwachenden zu prüfen. Die Verantwortung für unsere Branche wächst damit. Im Gegensatz zu einem Bauprodukt das mit einem nationale Ü-Zeichen versehen ist, bedeutet eine CE-Kennzeichnung eben nicht zwingend, dass der Einbau in eine bauliche Anlage in Deutschland zulässig ist.

Für das Brandverhalten von elektrischen Leistungsanlagen, die dauerhaft in Bauwerke oder in Teile davon eingebaut werden und in den Geltungsbereich der hEN 50575:2014 (Starkstromkabel und -leitungen, Steuer- und Kommunikationskabel - Kabel und Leitungen für allgemeine Anwendungen in Bauwerken in Bezug auf die Anforderungen an das Brandverhalten) fallen, können entsprechende Hersteller seit dem 01.07.2017 Angaben in der jeweiligen Leistungserklärung und CE-Kennzeichnung machen. Die Koexistenzphase für diese Bauprodukte läuft am 30.06.2017 ab, d.h. ab dem 01.07.2017 müssen die Hersteller elektrischer Leitungsanlagen diese nunmehr u.a. mit Angaben der Leistungseigenschaften des Brandverhaltens versehen. Typische elektrische Leitungsanlagen, die in den Geltungsbereich der hEn fallen, sind beispielsweise Kommunikations- oder Energiekabel.

  • Ihnen ist die Bedeutung der Bauproduktenverordnung für die tägliche Arbeitspraxis nicht klar – oder zu kompliziert?
  • Sie sind kein Planer für elektrische Leitungsanlagen und glauben Sie sind von der BauPVO nicht betroffen?

Am Ende jeglicher kreativer Idee von Architekten oder innovativen Haustechnikplanern sind es konkrete Bauprodukte, die dafür in Gebäude eingebaut werden sollen.

Bauproduktenrecht geht somit alle an, die planen, ausschreiben und Bauleistungen umsetzen bzw. am Ende privatrechtlich abnehmen müssen.

 

Mit freundlichem Gruß


Dipl.-Ing. Karl-Olaf Kaiser

 

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 Brandschutzconsultant und -planer
(Frankfurt a.M.)
Autor u.a. „Brandschutztechnische Bauüberwachung Haustechnik"
Länderdossier „Brandschutz in China“
Referent für Brandschutz u.a. EIPOS, VdI

 

 

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