Design Security Forum AG

Funktionserhalt im Brandfall – Besondere gewerkübergreifende Koordinierungspflicht des Architekten

 Haftungsfallen vermeiden

von Dipl.-Ing. Karl-Olaf Kaiser


 

Elektrischen Leitungsanlagen mit Funktionserhalt im Brandfall durchziehen moderne Gebäude (und auch Bestandsgebäude) ähnlich wie Nervenstränge einen Menschen. Sie versorgen z.B. Brandschutztüren, Rauchschürzen, „Rauch- und Wärmeabzugsöffnungen“ im Dach oder der Fassade – also meist Planungsinhalte des Architekten – und die klassischen haustechnischen Sicherheitseinrichtungen im Brandfall mit Strom und Steuerungssignalen.


Wie sind die Schnittstellen zwischen Architekt, TGA Planer, MSR-Planung und Elektroplanung zu definieren?

Wer hat welche Planungsverantwortung?                               

Des Weiteren sind diese Leitungsanlagen auf ihrem Installationsweg bis zu den sicherheitstechnischen Anlagen in Zwischendecken, Schächten, Systemböden usw. allgegenwärtig. Sie haben insofern zusätzlich Berührungspunkte – quasi mit allen Gewerken. Und genau hierin liegen dann in der Baupraxis – bei fehlender gewerkeübergreifender Planung – auch häufig die Probleme. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass diese elektrische Leitungsanlagen in Wechselwirkungen mit anderen Einbauten und Einrichtungen funktionieren müssen, sprich auch mit den Planungen des Architekten und der anderen TGA Planer. Daher kommt der Koordinierungspflicht des Architekten eine besondere Bedeutung zu.

Leider sind bei dieser gewerkeübergreifenden Planung häufig Mängel festzustellen, z.B. werden solche Leitungen in der Tiefgarage ohne besondere Schutzmaßnahmen unterhalb der Dämmung verlegt. Nicht selten werden die klassifizierten Leitungsanlagen an brandschutztechnisch unklassifizierten Bauteilen befestigt. Die lichten Abstände von Zwischendeckenräumen sind zu knapp bemessen, sodass die erforderlichen Abstände der Trassen untereinander nicht eingehalten werden können – mit direkter Auswirkung auf die Gestaltung der Raumhöhen. Rohrleitungsanlagen oder Lüftungskanäle sind oberhalb von elektrischen Leitungsanlagen mit definierter Funktionserhaltsklasse installiert – ohne dass deren Befestigungsmittel jedoch ausreichend bemessen wurden. Auf der Baustelle steht dann meist der Architekt unter „Strom“, weil er mit Vorwürfen bzgl. fehlender Koordination in der Ausführungsplanung konfrontiert wird. Der Architekt wird diese Anschuldigungen im „Gießkannenprinzip“ mit seinen haustechnischen Fachplaner oder die ausführenden Unternehmer zu klären versuchen. Kommt Ihnen das ggf. bekannt vor?

Erst kürzlich ging ein großes Thema dazu wieder durch die Presse. Es mussten kilometerweise elektrische Leitungsanlagen mit Funktionserhalt aufwendig und kostspielig ertüchtigt werden. Das ist nicht wie „Projekt-Bashing“ zu verstehen. Die umfassenden Details sind nur den jeweils direkt Betroffenen bekannt und können und sollen an dieser Stelle nicht aus der Distanz verallgemeinert bewertet werden. Gleichwohl werden bei Projekten – unabhängig ob groß (oder vermeintlich) klein – mit sicherheitstechnischen Anlagen meist erst während der Bauphase bzw. kurz vor der geplanten Inbetriebnahme erhebliche Lücken und Mängel beim Funktionserhalt festgestellt. Dies ist nicht selten in einer fehlenden Sensibilisierung des Architekten und der „nicht-elektrischen“ Fachplaner in der Entwurfs- und Ausführungsplanung begründet. Vermeintlich wird von diesen Projektbeteiligten angenommen, dass der elektrische Funktionserhalt ihre Planungsdisziplinen nicht direkt betrifft. Diese Einschätzung gilt es für Architekten und „nicht-elektrische“ Fachplaner zu überdenken.

 

Mit freundlichem Gruß

Dipl.-Ing. Karl-Olaf Kaiser

Brandschutzconsultant und -planer

(Frankfurt a.M.),

Autor u.a. „Brandschutztechnische Bauüberwachung Haustechnik“,

Länderdossier „Brandschutz in China“

Referent für Brandschutz u.a. EIPOS, VdI

 

 

 

 

Das passende Seminar dazu:

Funktionserhalt im Brandfall - Architekten und TGA-Planer bitte aufgepasst!