Design Security Forum AG

Brandschutz in Kindertagesstätten und Verkaufsstätten in Bezug auf die Sicherstellung von Rettungswegen

von Rolf König


Ein Kind spielt in der Kindertagesstätte mit Streichhölzern und entzündet dabei Möbel, elektrische Geräte geraten in Brand, ein Warenhaus muss wegen Brandgefahr evakuiert werden. Dies alles sind keine Fiktionen, sondern tatsächliche Begebenheiten, wie die nachfolgenden Meldungen die Brandrisiken in Kindertagesstätten und Verkaufsstätten verdeutlichen.

Brände in Kindertagesstätten

Im Oktober 2014 hat ein zündelndes Kind einen Brand in einem Kindergarten in Friedrichshafen (Bodenseekreis) verursacht. Focus-Online berichtete am 8. Oktober 2014 darüber: „Wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilten, war das Kind allein in ein Nebenzimmer gegangen und hatte dort mit einem Streichholz gespielt. Das Feuer erfasste einen Stuhl und einen Schreibtisch und zog Wände und Decken des Raumes in Mitleidenschaft.“

In Asbach hatte 2011 ein Brand im evangelischen Kindergarten einen verheerenden Schaden angerichtet. „Nachdem der Leitstelle um 8.42 Uhr ein Feuer im Dachstuhl gemeldet worden war, rückte ein Großaufgebot der Feuerwehr an. Neben rund 60 Wehrmännern aus der Verbandsgemeinde Asbach, leisteten auch Einheiten aus Siegburg, Eitorf und Linz bei dem stundenlangen Einsatz Unterstützung. Verletzt wurde niemand. Bei Ausbruch des Brandes waren aufgrund des Winterwetters nur 50 Kinder anwesend. Da sie das Szenario schon häufig geübt hatten, konnten die Erzieherinnen die Kinder ohne Probleme in der benachbarten Schule in Sicherheit bringen“, berichtete der General Anzeiger Bonn dazu am 21.12.2011.

Im September 2016 wurde die Feuerwehr wegen eines Brandes in einem Kindergarten in Sindelfingen-Maichingen alarmiert. „Gegen 9 Uhr bemerkten die Erzieherinnen, dass dichter Rauch aus einer elektrisch betriebenen Jalousie in einen Gruppenraum des Kindergartens an der Berliner Straße quoll. Die Frauen brachten die Kinder ins Freie und alarmierten die Feuerwehr. Danach begannen sie allerdings, das Feuer mit einem Pulverlöscher selbst zu löschen. Als die Einsatzkräfte ankamen, blieb ihnen nur noch, mit einer Wärmebildkamera nach verborgenen Brandnestern zu suchen und zu lüften“, berichteten die Stuttgarter Nachrichten am 29. September 2016 über den Vorfall.

Brände in Verkaufsstätten

Über einen Brand in der Bremer Innenstadt berichtete az-online am 07.05.2015: „Ein Großbrand hat an mehreren Geschäftshäusern in der Bremer Innenstadt einen Millionenschaden angerichtet. Das Feuer war am späten Mittwochabend im oberen Bereich eines viergeschossigen Gebäudes ausgebrochen. Verletzt wurde niemand, wie ein Sprecher der Feuerwehr am Donnerstag sagte. In dem Haus befand sich ein traditionsreiches Bekleidungsgeschäft. Hinweise zur Brandursache gebe es noch nicht, sagte eine Polizeisprecherin. Auch zur genauen Höhe des Schadens lagen noch keine Informationen vor. Die Feuerwehr geht von mehreren Millionen Euro aus. Sie war mit mehr als 160 Kräften und rund 45 Fahrzeugen im Einsatz. Als die Helfer eintrafen, schlugen die Flammen bereits meterhoch aus dem dritten Obergeschoss und dem Dach. Innerhalb weniger Minuten habe das Feuer auf die anderen Stockwerke und zwei angrenzende Gebäude auf einer Breite von 50 Metern übergegriffen, hieß es. Eine riesige Rauchwolke zog über die Stadt.“

 

„Wegen eines Großbrands ist in Krefeld am Montagabend ein Warenhaus geräumt worden. Unmittelbar neben dem Real-Markt fing ein Holzfachmarkt Feuer, wie ein Polizeisprecher berichtete. Ein Fabrikations- sowie ein Geschäftsgebäude seien komplett abgebrannt.

Menschen kamen nach ersten Angaben nicht zu Schaden. Weil sich die Flammen rasend schnell ausgebreitet hätten, habe man das angrenzende Warenhaus räumen lassen, sagte Polizeisprecher Dietmar Greger. Bei der Evakuierung habe es keine Probleme gegeben. Der Real-Markt hätte zwar eigentlich noch bis 22 Uhr aufhaben sollen, es hätten sich dort aber nicht mehr allzu viele Kunden aufgehalten. Der Brand sei gegen 20 Uhr gemeldet worden“, berichtete Express Düsseldorf am 09.07.2012 zu diesem Vorfall.

Unterschiedliche Vorgehensweise bei der brandschutztechnischen Beurteilung

Wie die vorgenannten Beispiele zeigen, kann nicht ausgeschlossen werden, dass es in Kindertagesstätten und Verkaufsstätten zu Bränden kommt. Bei allen Vorfällen kam es glücklicherweise nur zu Sachschäden. Warum vergleicht der Autor Brände in Kindertagesstätten und Verkaufsstätten?

Es erschließt sich dem Autor die unterschiedliche Vorgehensweise bei der brandschuitztechnischen Beurteilung von Kindertagesstätten und Warenhäusern nicht gänzlich. Zur brandschutztechnischen Beurteilung einer Verkaufsstätte kann in den meisten Bundesländern auf eine eingeführte Rechtsvorschrift (z. B. Muster Verkaufsstättenverordnung) zurückgegriffen werden. Jedoch ist festzustellen, dass es eine bauaufsichtlich eingeführte Richtlinie oder Verordnung für Kindertagesstätten in den Bundesländern nicht gibt. Hier sei eine Frage erlaubt: Wieso? Gerade mit Einführung der Ganztagesbetreuung von 0 bis 6 Jahren und der Inklusion, ergebenen sich aus brandschutztechnischer Sicht eine Reihe brandschutztechnischer Fragen, insbesondere im Hinblick auf die Sicherstellung von Rettungswegen. In der Muster Verkaufsstättenverordnung sind die Anforderungen an Rettungswege klar und eindeutig geregelt.

Sucht man Anforderungen an Rettungswege für Kindertagesstätten, so wird man in einigen Bundesländern auf Merkblätter oder Handlungsempfehlungen verwiesen. Ein Vergleich dieser Merkblätter beziehungsweise Handlungsempfehlungen ergab, dass es gerade mit Blick auf die Sicherstellung des 2. Rettungsweges aus Geschossen über Erdgleiche unterschiedliche Sichtweisen gibt. Einige sprechen grundsätzlich von mindestens zwei notwendigen Treppen andere wiederum von einer notwendigen Treppe und einer Rutsche. Gerade an diesen unterschiedlichen Auffassungen stellt sich der Autor die Frage, können wir unter den heutigen Gegebenheiten (Kinder von 0 bis 6 Jahren, Inklusion) den 2. Rettungsweg über eine Rutsche sicherstellen.

 

Ein Bericht

 

von Rolf König

 

 

Brandschutzsachverständiger

Arbeitgeber KRE

BS + KIEFER Ingenieure GmbH

Brandschutzbeauftragter, Lehrbeauftragter an der Hochschule Darmstadt Stellv. Obmann im DIN „Notbeleuchtung“

Referent an der Landesfeuerwehrschule Kassel, IngKH, BG Chemie Buchautor