Design Security Forum AG

Brandschutz in Verkaufsstätten - Anforderungen zur Sicherstellung von Rettungswegen

von Rolf König


 

Bei Verkaufsstätten handelt es sich meist um komplexe Gebäude, die zum Teil ganz unterschiedlich genutzt werden. So gibt es unteranderem große Einkaufszentren, in den die einzelnen Verkaufsräume für Textilverkauf oder Restaurantbetrieb  genutzt werden. Dass es in einer Verkaufsstätte zu einem Brand kommt, kann nie ausgeschlossen werden, wie folgende Beispiele zeigen:

„Wegen eines Großbrands ist in Krefeld am Montagabend ein Warenhaus geräumt worden“, berichtete Express Düsseldorf am 09. September 2012. weiter heißt es: „Unmittelbar neben dem Real-Markt fing ein Holzfachmarkt Feuer, wie ein Polizeisprecher berichtete. Ein Fabrikations- sowie ein Geschäftsgebäude seien komplett abgebrannt. Menschen kamen nach ersten Angaben nicht zu Schaden. Weil sich die Flammen rasend schnell ausgebreitet hätten, habe man das angrenzende Warenhaus räumen lassen, sagte Polizeisprecher Dietmar Greger. Bei der Evakuierung habe es keine Probleme gegeben. Der Real-Markt hätte zwar eigentlich noch bis 22 Uhr aufhaben sollen, es hätten sich dort aber nicht mehr allzu viele Kunden aufgehalten. Der Brand sei gegen 20 Uhr gemeldet worden.“

 

Die az-online berichtete 07. Mai 2015 über einen Brand in der Bremer Innenstadt am: „Ein Großbrand hat an mehreren Geschäftshäusern in der Bremer Innenstadt einen Millionenschaden angerichtet. Das Feuer war am späten Mittwochabend im oberen Bereich eines viergeschossigen Gebäudes ausgebrochen. Verletzt wurde niemand, wie ein Sprecher der Feuerwehr am Donnerstag sagte. In dem Haus befand sich ein traditionsreiches Bekleidungsgeschäft. Hinweise zur Brandursache gebe es noch nicht, sagte eine Polizeisprecherin. Auch zur genauen Höhe des Schadens lagen noch keine Informationen vor. Die Feuerwehr geht von mehreren Millionen Euro aus. Sie war mit mehr als 160 Kräften und rund 45 Fahrzeugen im Einsatz. Als die Helfer eintrafen, schlugen die Flammen bereits meterhoch aus dem dritten Obergeschoss und dem Dach. Innerhalb weniger Minuten habe das Feuer auf die anderen Stockwerke und zwei angrenzende Gebäude auf einer Breite von 50 Metern übergegriffen, hieß es. Eine riesige Rauchwolke zog über die Stadt.“

 

Bei allen Vorfällen kam es glücklicherweise nur zu Sachschäden, Personen wurden nicht verletzt. Beide Vorfälle ereigneten sich jedoch auch zu einer Zeit, zu der nur noch wenige Personen in den Gebäuden waren.

 

Vorgehensweise bei der brandschutztechnischen Beurteilung

 

Zu einer Verkaufsstätte gehören alle Räume, die unmittelbar oder mittelbar, ob durch Aufzüge oder Ladenstraßen miteinander in Verbindung stehen. Zur brandschutztechnischen Beurteilung einer Verkaufsstätte kann im Hinblick auf die Sicherstellung von Rettungswegen in den meisten Bundesländern auf eine eingeführte Rechtsvorschrift, wie die Muster Verkaufsstättenverordnung (MVkVO), zurückgegriffen werden. In der MVkVO sind die Anforderungen an Rettungswege klar und eindeutig geregelt. So sind darin für jeden Verkaufsraum und für jede Ladenstraße im selben Geschoss zwei voneinander unabhängige bauliche Rettungswege zu Ausgängen ins Freie oder zu Treppenräumen vorgeschrieben. Einer der Rettungswege darf über Außentreppen, Rettungsbalkone, Terrassen oder begehbare Dächer auf das Außengelände führen, soweit hinsichtlich des Brandschutzes keine Bedenken bestehen. In den Verkaufsräumen müssen die Hauptgänge oder Ladenstraßen von jeder Stelle aus in höchstens zehn Metern Entfernung erreichbar sein, der Weg zum Ausgang oder Treppenraum darf höchstens 25 Meter entfernt sein.

 

Auch weitere Regelungen zu Rettungswegen, zur Brandschutzordnung und zur Gefahrenverhütung, werden durch die MVkVO festgelegt. Gleiches gilt für die Pflichten und Aufgaben des Betreibers sowie anderer verantwortlicher Personen. Verbindliche Regelungen können jedoch nur von den jeweiligen Bundesländern selbst geschaffen werden. So gilt die MVkVO in Hessen nur für Verkaufsstätten, deren Verkaufsräume und Ladenstraßen mehr als 2.000 Quadratmeter Grundfläche haben, nicht aber für einen Großteil von Supermärkten, deren Fläche meist unter 1.600 Quadratmetern liegt. Hier stoßen die für den Brandschutz zuständigen Planer stetig auf Probleme, die nach ganz eigenen Lösungen verlangen.

 

Autor:

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Rolf König

Brandschutzsachverständiger

Arbeitgeber KREBS + KIEFER Ingenieure GmbH

Brandschutzbeauftragter, Lehrbeauftragter an der Hochschule Darmstadt Stellv. Obmann im DIN „Notbeleuchtung“

Referent an der Landesfeuerwehrschule Kassel, IngKH, BG Chemie Buchautor, Kreisbrandmeister a. D.

 

 

Passendes Seminar dazu:

Baulicher Brandschutz in Versammlungs- & Verkaufsstätten: Mindeststandard für den Brandschutz