Design Security Forum AG

Brandschutz in Kindertagesstätten – Reglungsunsicherheit bei baulichen Maßnahmen zur Sicherstellung von Rettungswegen

von Rolf König


 

Ein Kabelschmorbrand im Keller verursacht eine starke Rauchentwicklung, ein Kind spielt in der Kita mit Streichhölzern und entzündet dabei Möbel, elektrische Geräte geraten in Brand und die Einrichtung muss evakuiert werden. Dies alles sind keine Fiktionen, sondern tatsächliche Begebenheiten, wie die nachfolgenden Meldungen die Brandrisiken in Kindertagesstätten verdeutlichen.

 

Brände in Kindertagesstätten

„Genau 9:41 Uhr ging der Notruf aus aus einer Kita im Chemnitzer Stadtteil Hutholz bei der Feuerwehr ein. Starker Rauch drang aus dem Keller des Gebäudes. In der Einrichtung hielten sich 68 Kinder und 13 Erzieher auf“, berichtete mdr Sachsen 23. November 2017 von einem Vorfall mit starker Rauchentwicklung, die durch einen Kabel-Schmorbrand im Keller der Einrichtung entstanden war.

 

Im September 2016 wurde die Feuerwehr wegen eines Brandes in einem Kindergarten in Sindelfingen-Maichingen alarmiert. „Gegen 9 Uhr bemerkten die Erzieherinnen, dass dichter Rauch aus einer elektrisch betriebenen Jalousie in einen Gruppenraum des Kindergartens an der Berliner Straße quoll. Die Frauen brachten die Kinder ins Freie und alarmierten die Feuerwehr. Danach begannen sie allerdings, das Feuer mit einem Pulverlöscher selbst zu löschen. Als die Einsatzkräfte ankamen, blieb ihnen nur noch, mit einer Wärmebildkamera nach verborgenen Brandnestern zu suchen und zu lüften“, berichteten die Stuttgarter Nachrichten am 29. September 2016 über den Vorfall.

 

Im Oktober 2014 hat ein zündelndes Kind einen Brand in einem Kindergarten in Friedrichshafen (Bodenseekreis) verursacht. Focus-Online berichtete am 8. Oktober 2014 darüber: „Wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilten, war das Kind allein in ein Nebenzimmer gegangen und hatte dort mit einem Streichholz gespielt. Das Feuer erfasste einen Stuhl und einen Schreibtisch und zog Wände und Decken des Raumes in Mitleidenschaft.“

 

In Asbach hatte 2011 ein Brand im evangelischen Kindergarten einen verheerenden Schaden angerichtet. „Nachdem der Leitstelle um 8.42 Uhr ein Feuer im Dachstuhl gemeldet worden war, rückte ein Großaufgebot der Feuerwehr an. Neben rund 60 Wehrmännern aus der Verbandsgemeinde Asbach, leisteten auch Einheiten aus Siegburg, Eitorf und Linz bei dem stundenlangen Einsatz Unterstützung. Verletzt wurde niemand. Bei Ausbruch des Brandes waren aufgrund des Winterwetters nur 50 Kinder anwesend. Da sie das Szenario schon häufig geübt hatten, konnten die Erzieherinnen die Kinder ohne Probleme in der benachbarten Schule in Sicherheit bringen“, berichtete der General Anzeiger Bonn dazu am 21.Dezember 2011.

 

Fehlende Vorgaben für die  brandschutztechnische Beurteilung

 

Wie die vorgenannten Beispiele zeigen, kann nicht ausgeschlossen werden, dass es in Kindertagesstätten zu Bränden kommt. Bei allen Vorfällen kam es glücklicherweise nur zu Sachschäden. Doch gerade im Hinblick auf die Gefahr, die solch ein Brand mit sich bringen kann, ist eines verwunderlich: Sucht man Anforderungen an Rettungswege für Kindertagesstätten, so wird man in einigen Bundesländern auf Merkblätter oder Handlungsempfehlungen verwiesen. Ein Vergleich dieser Merkblätter beziehungsweise Handlungsempfehlungen ergab, dass es gerade mit Blick auf die Sicherstellung des 2. Rettungsweges aus Geschossen über Erdgleiche unterschiedliche Sichtweisen gibt. Einige sprechen grundsätzlich von mindestens zwei notwendigen Treppen andere wiederum von einer notwendigen Treppe und einer Rutsche. Es besteht Reglungsunsicherheit, denn eine klare Anordnung fehlt.

 

Bei anderen sonderbauten gibt es klare Anforderungen. So kann zur brandschutztechnischen Beurteilung einer Verkaufsstätte in den meisten Bundesländern auf eine eingeführte Rechtsvorschrift (z. B. Muster Verkaufsstättenverordnung) zurückgegriffen werden. Jedoch ist festzustellen, dass es in den Bundesländern keine bauaufsichtlich eingeführte Richtlinie oder Verordnung für Kindertagesstätten gibt. Hier sei eine Frage erlaubt: Wieso? Gerade mit Einführung der Ganztagesbetreuung für Kinder von null bis sechs Jahren und der Inklusion ergebenen sich aus brandschutztechnischer Sicht eine Reihe brandschutztechnischer Fragen, insbesondere im Hinblick auf die Sicherstellung von Rettungswegen. In der Muster Verkaufsstättenverordnung sind die Anforderungen an Rettungswege klar und eindeutig geregelt.

 

Insbesondere in Bezug auf die unterschiedlichen baulichen Gegebenheiten von Rettungswegen, muss man sich eine Frage stellen: Wollen und Können wir unter den heutigen Gegebenheiten in Kitas, in denen Kinder ab dem Säuglingsalter sowie geistig und motorisch behinderte Kinder betreut werden, im Ernstfall den 2. Rettungsweg über eine Rutsche sicherstellen?

 

Autor:

Rolf König

Brandschutzsachverständiger

Arbeitgeber KREBS + KIEFER Ingenieure GmbH

Brandschutzbeauftragter, Lehrbeauftragter an der Hochschule Darmstadt Stellv. Obmann im DIN „Notbeleuchtung“

Referent an der Landesfeuerwehrschule Kassel, IngKH, BG Chemie Buchautor, Kreisbrandmeister a. D.

 

 

Passendes Seminar dazu:

Baulicher Brandschutz in Kindergärten & Schulen