Design Security Forum AG

Vom „richtigen Zeitpunkt“ und „vermeidbaren Kosten“ im vorbeugenden Brandschutz

von Dipl.-Ing. Josef Mayr


 

Wie wichtig der „richtige Zeitpunkt“ ist, merkt man erst, wenn er verpasst wurde. Diese Lebensweisheit gilt natürlich auch für den vorbeugenden Brandschutz. Wird der nicht rechtzeitig und von vornherein fachgerecht berücksichtigt, so wird er immer teurer und aufwendiger. Oft ist es den Beteiligten gar nicht bewusst, dass hohe Kosten vermeidbar gewesen wären, hätte man sich nur rechtzeitig und fachgerecht mit dem vorbeugenden Brandschutz befasst.

Heute ist es Standard, dass für jedes Bauvorhaben, angefangen vom einfachen Gebäude bis zum komplizierten Sonderbau, ein Brandschutzkonzept beziehungsweise Brandschutznachweis vorgelegt wird. Leider wird mit der Erstellung der bauaufsichtlich erforderlichen Unterlagen oft erst dann begonnen, wenn die Eingabeplanung weitgehend fertig ist. Zu diesem Zeitpunkt sind die für den Brandschutz wesentlichen Weichen häufig bereits falsch gestellt und es ist deshalb oft nicht mehr möglich, ein wirtschaftliches und für alle Beteiligten zufriedenstellendes Brandschutzkonzept zu entwickeln.

Deshalb sollte für die Erstellung von Brandschutzkonzepten oder Brandschutznachweisen der „richtige Zeitpunkt“ nicht verpasst werden. Dieser liegt in der Vorentwurfs- und Vorplanungsphase. Bereits zu diesem Zeitpunkt ist es notwendig, dass ein „Vorentwurf“ des zukünftigen Brandschutznachweises beziehungsweise -konzepts erstellt wird.

Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen kompletten Entwurf eines Brandschutzkonzepts von A-Z sondern es werden im Vorfeld nur diejenigen wichtigen und relevanten Punkte besprochen und abgeklärt, die sich später wesentlich auf den vorbeugenden Brandschutz und dessen Kosten auswirken können. In diesem Zusammenhang ist folgendes im Vorfeld zum Beispiel zu klären oder zu berücksichtigen:

  • Erfordernis, Abstände, Anordnung und Lage von Brandabschnitten, Brandwänden, Trennwänden und Trenndecken.
  • Anordnung, Lage, Größe und Ausbildung von Nutzungseinheiten.
  • Ausbildung der horizontalen Rettungswege, Erfordernis und Anordnung von notwendigen Fluren beziehungsweise Laubengängen oder Lösung ohne notwendige Flure (zum Beispiel durch Ausbildung von Teilnutzungseinheiten oder andere Lösungen).
  • Lösung der baurechtlich geforderten zwei voneinander unabhängigen Rettungswege (zweiter Rettungsweg mit Leitern der Feuerwehr oder baulich).
  • Ausbildung der vertikalen Rettungswege sowie Erfordernis, Anordnung und Lage von notwendigen Treppen. Besondere Prüfung der Lage von notwendigen Treppen und Treppenraumaußenwänden. Anordnung von Außentreppen. Eventuell Anordnung von sichereren Treppen (Sicherheitstreppenräume, auch „light“ möglich)
  • Überprüfung der Einhaltung der zulässigen Rettungsweglängen und Flurlängen.
  • Grundsätzliches Konzept des Brandschutzes in der Haustechnik und der haustechnischen Leitungsanlagen (Schottlösungen, Schachtlösungen, kombinierte Lösungen, Brandschutz der Lüftungsanlagen und -leitungen, Unterdeckenlösungen, Installationskanallösungen, Doppelbodenlösungen, Teilnutzungseinheitenlösungen).
  • Grundsätzliche Überlegungen und Festlegungen zur Bauweise und Bauart (Stahlbeton, Stahl, Mauerwerk, Holz).
  • Berücksichtigung von eventuell möglichen oder sinnvollen technischen Lösungen (etwa Brandmeldeanlagen, Löschanlagen, Entrauchungsanlagen) und deren Konsequenzen (besserer Brandschutz, wirtschaftlicher Versicherungsschutz, mögliche Erleichterungen, Platzbedarf für deren Technik und Installation, Vor- und Nachteile sowie Kostenvergleiche von verschiedenen Maßnahmen).
  • Ermittlung von voraussichtlich benötigten Abweichungen und deren Kompensationsmöglichkeiten. Konzept für die Prüfung und Genehmigung der Abweichungen.
  • Besprechung der weiteren Vorgehensweise nach der Genehmigung. Beteiligung des Fachplaners Brandschutz bei der Umsetzung und Einarbeitung des Brandschutzkonzepts oder -nachweises in die Werk- und Detailplanung und in die Planung der haustechnischen Gewerke.
  • Besprechung der Vorgehensweise zur Gewährleistung einer fachgerechten Bauausführung und Dokumentation der Brandschutzmaßnahmen. Erfordernis einer Fachbauleitung Brandschutz. Rechtzeitige Einbindung der Fachbauleitung Brandschutz in die Werk- und Detailplanung einschließlich Haustechnikplanung.
  • Erforderliche Dokumentationen für den Bauherrn, um eine problemlose Abnahme nach der Fertigstellung und für den späteren Betrieb (Brandschutz im Bestand) zu ermöglichen.

Werden die vorgenannten Punkte zum „richtigen Zeitpunkt“ angesprochen und gelöst, so steht einer aus brandschutztechnischer Sicht mangelfreien und wirtschaftlichen Ausführung des Gebäudes nichts mehr im Wege.

Grundsätzlich gelten die vorbeschriebenen Punkte und der „richtige Zeitpunkt“ auch für Bestandsgebäude mit Brandschutzproblemen oder Nutzungsänderungen.

 

Ein Beitrag von Josef Mayr

  • Ingenieurbüro für Brandschutz
  • 1997–2005 Gründer und Geschäftsführer FeuerTrutz GmbH
  • Autor in „Schadensbilder aktuell“, „Brandschutzinformationen“
  • Mitherausgeber und Hauptautor „Brandschutzatlas“

 

 

 

 

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